Trailrunning-Camp mit Roadbiking-Allüren

4 Tage Laufspaß, nette Leute, Traumwetter und leckeres Eis: vom 20. bis 23. März 2019 fand das Trailrunning-Camp vom Trail Magazin am Gardasee statt. Und mein Rennrad durfte auch mit. Dolce Vita deluxe!

19.03.2019: Ab in den Süden!

Schon einen Tag vor dem offiziellen Beginn des Trailrunning-Camps ging es für den Veranstalter Denis Wischniewski vom Trail Magazin und Guide Jonas gen Süden. Mit im Gepäck: jede Menge Testschuhe, mein Rennrad und ich. Für eine nette Mitfahrgelegenheit und einen Extra-Tag am Gardasee opfere ich doch gerne ein paar Überstunden. Und das, obwohl ich bis kurz vor der Abreise nicht wusste, ob ich aufgrund meiner Verletzung überhaupt nur einen Lauf mitmachen könnte.

Perfekt aufeinander abgestimmt: Trailmagazin-Van & Rennrad

Nach einer kurzweiligen Anreise mit bester Unterhaltung und obligatorischer Kaffeepause in der ersten Raststätte auf italienischem Boden erreichten wir schließlich bei strahlendem Sonnenschein den Gardasee. Vorfreude pur!

Gardasee, here we come!

Nach dem Einchecken und einem Käffchen im einzig geöffneten Café in Torbole trafen wir uns mit Michael Arend, Guide Nr. 3. Bisher hatten wir nur telefonisch oder per Mail über Themen wie Polarisiertes Training oder Alternativtraining auf der Rolle gefachsimpelt, nun lernten wir uns bei einem Erkundungslauf zur Ponale endlich persönlich kennen.

Da sich die Bauarbeiten an dem Felsenweg oberhalb von Riva del Garda noch um weitere Monate verzögern würden, mussten die Guides ihre Tourenplanung für die nächsten Tage anpassen, was auf unserem Rückweg zum Hotel effizient beim Laufen erledigt wurde.

Ebenfalls sehr effizient und ohne Reste vertilgten wir abends unsere Pizzen, bevor es auf einen Absacker an die Bar und schließlich ins Bett ging.

Von rechts: Jonas, Denis, Fisch, Micha & ich. Sie waren stets gesellig.

20.03.2019: Einradeln in den Bergen

Am nächsten Tag machten sich die Guides auf zu einem Streckencheck auf den Monte Stivo. Da ich nach einer mehrwöchigen Laufpause gerade erst den Wiedereinstieg eingeläutet hatte, lautete mein Plan fürs Trailrunning-Camp: ein Tag Radeln, ein Tag Laufen, und bei letzterem immer nur die kürzere Variante.

Doch es gibt definitiv Schlimmeres, als am Gardasee Rennrad fahren zu „müssen“. Für heute hatte ich mir eine wunderschöne Route entlang des Lago di Cavèdine, durch die Sarcaschlucht und diverse Bergdörfer zurechtgelegt. Ein Traum!

Rennrad-Idylle am Lago di Cavèdine
Tione di Trento: Die Panini-Pause naht!

Meine Rundtour brachte schließlich aufgrund einer Baustelle am Passo Duron einen ungeplanten Wendepunkt und einige Extra-Kilometer mit sich. Und obwohl der Schluss etwas zäh und die Abfahrt etwas frisch war, war es definitiv eine sehr schöne und empfehlenswerte Rennradtour!

Rennradtour nach Tione di Trento

Am späten Nachmittag trudelten nach und nach die weiteren Teilnehmer des Trailrunning-Camps im Hotel ein. Um 18 Uhr trafen wir uns für einen kleinen Begrüßungslauf an der Rezeption. Über viele Treppenstufen und einen wurzeligen Pfad erreichten wir schließlich einen tollen Aussichtspunkt auf dem Monte Brione, dem Hausberg zwischen Torbole und Riva del Garda.

Einstimmung aufs Camp: Rund 300 hm galt es auf 2 km zu erklimmen.
Gruppenfoto auf dem Monte Brione © Denis Wischniewski

Nach dem Duschen und Abendessen läuteten die Guides das Trailrunning-Camp schließlich mit einem Briefing zu den nächsten Tagen offiziell ein, bevor wir den Tag entspannt an der Bar ausklingen ließen.

21.03.2019: Trailrunning-Tour über den Monte Colt

An diesem Morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück um 10 Uhr los Richtung Arco. Der flache, asphaltierte Radweg dorthin war zwar wenig trailrunner-freundlich, eignete sich aber gut zum Einlaufen für die kommenden Höhenmeter.

Kaum im Ortszentrum angekommen, ließen diese nicht lange auf sich warten. Zunächst leicht ansteigend über Serpentinen, schließlich immer steiler und trailiger ging es hinauf auf den Monte Colt.

Aussicht vom Monte Colt

Bei den darauf folgenden Bergab-Passagen meldete sich meine Hüfte leise, aber unleugbar, zurück. Deshalb entschied ich mich, bergab zu wandern, und fand eine weitere Mitstreiterin mit Knieproblemen. Während die anderen Teilnehmer den Downhill runterpesten, machten wir eine kurzweilige Plauderwanderung inklusive Fotostop daraus. Nur der arme Denis musste natürlich als verantwortungsbewusster Guide an jeder Abbiegung auf uns warten… aber hey, we paid for it!

Trail-Touristen: Fotostop am Croce di Ceniga

Nachdem sich die Gruppe inklusive uns Nachzügler wieder gesammelt hatte, gab es zwei Optionen: Einen weiteren, höhenmeterlastigen Schlenker… oder der direkte Weg zur Eisdiele in Arco. Einer soliden Selbsteinschätzung entsprechend schloss ich mich der kulinarischen Gruppe an. Wir verbrachten ein ausgedehntes Päuschen in der Sonne, bevor es gemütlich zurück zum Hotel in Torbole ging.

Endlich: Das verdiente Eis in Arco!

Am Abend durften wir einem interessanten Vortrag von Michael Arend zum Thema „Laufökonomie“ lauschen. Key Learnings: Das rote Riesenkänguru ist uns orthopädisch weit voraus und wir Läufer sollten mehr Gummibärchen essen und Springseil springen. Inspiration, wie man Übungen für einen effizienteren Laufstil in das eigene Training einbauen kann, lieferte u.a. dieses Video über „Kenyan Form Drills“.

22.03.2019: Höhenmetersammeln am Monte Velo

Während sich die anderen Teilnehmer an diesem Morgen auf eine Mammut-Tour auf den Monte Stivo begaben, stand für mich wieder Rennradfahren an. Eine kluge Alternative in Anbetracht des Zwickens in der Hüfte, dass sich seit der gestrigen 20km-Tour nicht leugnen ließ.

Und keineswegs ein Wehrmutstropfen für mich – im Gegenteil! Ich hatte mir wieder eine anspruchsvolle Tour mit ordentlich Höhenmetern herausgesucht und konnte es kaum erwarten, den Monte Velo hochzupedalieren.

Rennrad-Beschilderung am Monte Velo – eccellente!
In Serpentinen auf den Monte Velo – ein Rennradler-Traum

Nach rund 1300 Höhenmetern hatte ich schließlich den höchsten Punkt der Tour, den Passo Bordala, erreicht. Und auch wenn es auf den Bildern sehr sommerlich aussieht: Oben war es ganz schön frisch!

Nun kam der Part, den ich – im Gegensatz zu den meisten anderen Rennradfahrern – am wenigsten mag: Kilometerlang bergab fahren. Zum einen gehöre ich nicht gerade zu den tempoverrückten Bergab-Radlern und zum anderen ist die Durchblutung in meinen Fingern bei Kälte leider nicht die beste (Raynaud-Syndrom lässt grüßen). So wurden meine Hände trotz Handschuhe bald ziemlich klamm und ich musste mehrmals anhalten, um die Finger zu lockern. Dabei hatte ich immerhin jederzeit eine schöne Aussicht!

Bergab-Radeln mit Aussicht

Auch die anstrengenden Bergab-Kilometer waren irgendwann geschafft und es ging eine Weile im Tal entlang. Zum Abschluss der Tour gönnte ich mir einen weiteren Schlenker mit rund 500 hm, da ich von einem netten Café im Bergdorf Brentonico gelesen hatte.

Aussicht auf die umliegenden Bergdörfer von Brentonico

Oben angekommen suchte ich natürlich vergeblich nach einem (geöffneten) Café. Zu guter Letzt fand ich eine mehr oder weniger ansprechende Bar, die mehr oder weniger ansprechende Snacks anbot. Doch da ich während der Tour keine Lust auf meine Gels gehabt hatte, genoss ich mein Billig-Pizzastück in vollen Zügen!

Rennradtour Monte Velo - Passo Bordala

Da die laufenden Teilnehmer an diesem Tag ebenfalls einiges geleistet hatten (~30 km/2000 hm), durften wir uns abends entspannt von einem Filmprogramm berieseln lassen. Die Guides hatten ihre Lieblings-Kurzfilme rund ums Trailrunning herausgesucht, u.a. über Florian Neuschwanders (nicht ganz geglückte) 100-Meilen-Premiere, Courtney Dauwalters and Lucy Bartholomews Gedanken und Erlebnisse beim Western States 2018 und Timothy Olsons „Happy End“ beim Hardrock 100 in 2016.

23.03.2019: Morgenlauf zur Bastione und zur Kapelle Santa Barbara

Und schon war der letzte Tag gekommen. Da wir bereits um 11 Uhr aus dem Hotel auschecken mussten, hieß es früh aufstehen. Denn die Guides hatten sich ein besonderes Schmankerl für den Schluss aufgehoben: Eine Tour zur Kapelle Santa Barbara, die hoch über Riva del Garda am Hang des Monte Rocchetta thront.

Morgendliche Abschlusstour zur Kapelle Santa Barbara

Um 07:30 Uhr machten wir uns mehr oder weniger ausgeschlafen auf den Weg nach Riva. Da der darauffolgende An- und vor allem Abstieg rund 600 Höhenmeter auf nicht mal 2,5 km umfasste, entschied ich mich meiner Hüfte zuliebe, nur bis zur Bastione (~130 hm) mitzulaufen und dann umzukehren.

Serpentinenweg zur Bastione

So verpasste ich zwar den eigentlichen „Trail“lauf (auf dem sich manch einer trotz früher Stunde in die Top10 der Strava-Ergebnisse lief), doch ein schmerzfreier Nüchternlauf, die Aussicht von der Bastione und das anschließende gemütliche Frühstück mit einigen anderen im Hotel gebliebenen Teilnehmern waren eine durchaus annehmbare Alternative.

470 hm auf 1,5 km liegen zwischen der Bastione und der Kapelle Santa Barbara

Bei Cappuccino oder Eis ließen wir schließlich gegen Mittag alle gemeinsam das Trailrunning-Camp am Gardasee ausklingen. Es wurden Nummern für gemeinsame Trainingsläufe ausgetauscht und Pläne geschmiedet, wer sich wann bei welchem Wettkampf schon bald im Ziel wiedersehen würde.

Mit vielen neuen Eindrücken und Bekanntschaften in der Tasche, 50 km/1100 hm Laufen plus 190 km/3800 hm Radfahren in den Beinen und einem aufgefüllten Sonnentank ging es schließlich mit Denis und Jonas zurück in die Heimat.

Ein rundum gelungenes Trailrunning-Camp mit Roadbiking-Allüren, dass ich jedem begeisterten Läufer weiterempfehlen kann!


Wenn’s jetzt in den Beinen juckt: Hier findet ihr weitere Infos zu den Lesercamps vom Trail Magazin.

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