Wettkampfbericht: Tegernsee Triathlon 2017

Wettertechnisch war mein zweiter Triathlon das genaue Gegenteil vom ersten: 13 Grad und Regen. Spaßtechnisch kam der Tegernsee Triathlon jedoch trotz anfänglicher Sorge und zwischenzeitlicher Rookie-Pannen auf das gleiche Level. Triathlon rockt also bei Wind und Wetter!

Pre-Race

5:30 Uhr: Weckerklingeln. Draußen prasselte der Regen gegen die Scheibe und meine Vorfreude auf den Tegernsee Triathlon hatte sich über Nacht irgendwie aus dem Staub gemacht. Sie stieg leider auch nicht, als wir ca. 1:30 Stunden später am Seebad in Gmund bibbernd unsere Startunterlagen abholten.

Tegernsee Triathlon: Rad-Check-in

Lieber nochmal ins Auto setzen. Lieber nochmal überlegen, ob es wirklich Sinn und Spaß macht, bei 13 Grad und Regen zu Schwimmen, Radeln und Laufen.

Da friert man doch nur, fällt hin, wird krank?

Aber trotz aller guten Argumente und ziemlicher Unlust brachte ich es nicht über mich, nicht zu starten. Immerhin waren viele meiner Freunde und Vereinskollegen auch da – die meisten würden sogar die Olympische Distanz machen. Da wäre „Sprintdistanz-Schwänzen“ schon ziemlich luschi!

Schwimmen

Tegernsee Triathlon: SchwimmstartAlso rein in den Neo und ab ins Wasser! Das war mit seinen 19°C im Vergleich zur Außentemperatur angenehm warm. Nach einem kurzen, panischen Nervositätsanfall kurz vor Startschuss (motivierendes Zitat von meinem besorgten Freund: „Mach ganz ruhig! Und wenn es nicht geht, winke der Wasserwacht!“) ging es auch schon los.

Kaum hatte ich die ersten Kraulzüge gemacht, war die Nervosität verflogen. Ich hatte mir fest vorgenommen, diesmal mehr zu kraulen als vergangene Woche beim Chiemsee-Triathlon – und es klappte prächtig! Gelegentlich machte ich ein paar Brustschwimmzüge, um mich zu orientieren und meine Route zu planen, ansonsten fand ich einen angenehmen Rhythmus.

Ich erfreute mich des türkisblauen Wassers und der entspannten Atmosphäre um mich herum. Es lief so viel besser als beim ersten Mal und als der Schwimmausstieg in Sicht kam, wäre ich am liebsten noch eine Runde geschwommen.

11:50 Minuten für 600 m – keine Meisterleistung, aber für meine bescheidenen Schwimmverhältnisse eine sehr gute Zeit!

Wechsel 1

(Diesmal bekommen die Wechsel einen eigenen Abschnitt, da sie so phänomenal schief liefen und mich insgesamt 10 Minuten kosteten. Das ist einen eigenen Abschnitt wert.)

Während meines inneren Kampfes, ob ich überhaupt starten sollte, hatte ich mit mir selbst einen Kompromiss geschlossen: Ich wollte mir nach dem Schwimmen oben trockene Kleidung anzuziehen, damit ich beim Radeln nicht zu sehr frieren würde. „Das Minütchen mehr!“, hatte ich gedacht.

Doch schon als ich mich aus dem Neo geschält hatte und in meinem Wechselbeutel nach Handtuch und trockener Kleidung (drei Lagen, man gönnt sich ja sonst nichts!) kramte, schwante mir, dass es länger dauern würde.

Heraus kamen über 5 Minuten Wechselzeit, in der gefühlt ALLE anderen vor mir auf die Radstrecke gingen. Dafür hatte ich es dann kuschlig warm auf dem Rad, ha!

Radfahren

Die Strecke führte zunächst knapp 3 km flach von Gmund Richtung Tegernsee und nach einem Wendepunkt wieder zurück. Dann bog sie rechts ab und führte knapp 7 km hügelig Richtung Hausham, zum zweiten Wendepunkt.

Tegernsee Triathlon: RadfahrenAufgrund der nassen Straße, des Regens und der nervigen Regentropfen auf meiner Brille ging ich es eher ruhig an. Bergauf ein bisschen reintrappen, bergab lieber nicht zu schnell zu werden.

Wieder erfreute ich mich daran, dass alle anderen Teilnehmer ebenfalls ziemlich gechillt waren. Nichts da Wettkampfhektik!

Die hügelige Strecke gefiel mir ziemlich gut und durch die Wendepunkte war die Strecke in übersichtliche, kurzweilige Häppchen eingeteilt.

Wer hätte gedacht, dass Radeln im Regen so Spaß machen kann!

Wechsel 2

Nach knapp 40 Minuten rannte ich mit meinem Rad in die Wechselzone. In die Richtung, aus der ich zuvor gekommen war. Aber wieso waren da nur 100er-Nummern, wo ich doch eine 300er-Nummer hatte? Ich rannte einmal komplett auf und ab und konnte partout meinen Platz nicht finden. Ein paar Zuschauer am Rand scherzten bereits über mich und ich nahm mir die Zeit für einen kurzen Plausch. Eben war da WIRKLICH noch mein Platz gewesen!

Endlich entdeckte ich eine grüne Hussel-Tüte, die ich beim ersten Wechsel am Nachbarplatz gesehen hatte. Und daneben waren auch meine Beutel! Juchu!

Mehr oder weniger schnell wechselte ich die Schuhe, entledigte mich Helm, Brille und Regenjacke und lief los. Erst später würde ich checken, dass ich mein Rad von der falschen Seite an die Stange gehängt und beim ersten Wechsel dort abgeholt hatte. Die 300er-Nummern standen auf der anderen Seite…

Laufen

Beim Laufen fiel mir schnell auf, dass meine Füße durchs Radeln ganz schön nass und kalt geworden waren. Es fühlte sich an, als hätte ich immer noch meine Radschuhe an und würde auf der Klickhalterung laufen. Die Zehen waren Eisblöcke.

Dementsprechend unrund lief es – und wurde tatsächlich bis zum Schluss nicht besser. Also entschied ich mich, mit diesen Füßen nicht auf Teufel komm raus schnell laufen zu müssen (ging auch gar nicht), sondern im Wohlfühlbereich zu bleiben und nicht auf die Uhr zu schauen.

Nach einem flachen Kilometer an der Seepromenade kam ein stetiger Anstieg mit einem knackig-steilen Finale. Danach ging es leicht abfallend entlang der Hauptstraße, mit einem weiteren kurzen Anstieg, zum Wendepunkt. Rückzugs also erst überwiegend leicht bergauf und dann nur noch bergab und flach Richtung Ziel. Das machte Laune, trotz Eisfüßen!

Tegernsee Triathlon: FinisherIch hatte die Ehre, direkt hinter der ersten Frau der Olympischen Distanz ins Ziel zu laufen (bevor jemand fragt: Die Olympioniken waren 50 Minuten vor uns gestartet). Welch bejubelter Zieleinlauf!

1:24:32 Stunde – in Anbetracht der 10 Minuten Wechselzeit und des Regenwetters gar nicht mal so schlecht für mich.

Und das Wichtigste: Ich war nicht erfroren, nicht hingefallen, und bin im Nachhinein auch nicht krank geworden! Stattdessen hatte der Tegernsee Triathlon im Regen seinen ganz eigenen Charm entwickelt und – auf eine andere Art und Weise als der Vorzeige-Triathlon am Chiemsee – ziemlich Spaß gemacht!

Tegernsee

P.S.: … soviel Spaß, dass ich mich spontan noch am selben Tag für den Schliersee Alpentriathlon in 2 Wochen angemeldet habe – laut Veranstalter „die wohl härteste Olympische Distanz Bayerns“. Soviel zum Thema in den Kommentaren des letzten Triathlonberichts: „Ich teste jetzt noch ein paar Mal die Sprintdistanz aus und wage mich vielleicht nächstes Jahr an eine olympische. Man will sich ja immer irgendwie steigern, deshalb lieber nichts übereilen – sonst muss ich mich am End schon bald zum Ironman anmelden.“ Hrm.

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